SdW #201 Angèle – Tout oublier

Musik, Soundtrack der Woche

Written by Felix

Mai 14, 2020

Angèle beeindruckt mich auf mehreren Ebenen. Die Musik von Angèle van Laeken ist sonst so gar nicht meine Musik und trotzdem zieht sie mich in ihren Bann. Klar, es ist sehr poppige, aber auch sehr intelligente Musik und erinnert im Guten an Chansons. Es ist ihre leicht säuselnde, klare und reine Stimme, die oft durch ein eigenes Echo unvergesslich im Ohr bleibt. Ihre Diskographie strotzt nur so vor Ohrwürmern. Der Soundtrack der Woche ist ein teilweise gerapptes Duett mit ihrem Bruder Roméo Elvis, der hier auch noch gefeatured wird (absurd, wie talentiert diese Familie ist). Ihre Alben heißen Brol, was ein belgisches Wort für trash ist, „c’est du brol“. Sie bezieht sich damit weniger auf ihre Musik als vielmehr auf unseren Zeitgeist.

Wir gehetzten, oberflächlichen Konsumenten, die müde in die Selfie-Kamera ihres Smartphone blicken. Ich bin offentsichtlich nicht der einzige, der beeindruckt ist vom vom Stil dieser Künstlerin, von ihrer Persönlichkeit, ihrem Humor, ihrem Temperament, ihrer Art, die Verhaltensweisen ihrer Generation und darüber hinaus unserer Zeit zu beobachten. Was tun wir alles für ein Bild von uns auf Instagram, wie oft richten wir uns danach, was andere Leute denken werden und merken nicht wie einsam wir hinter unseren kleinen Bildschirmen eigentlich sind (La Thune). Viele Songs von Angèle sind ein bisschen traurig und gleichzeitig ein bisschen tanzbar und stehen somit doch sehr für unsere Zeit. Folgende wichtige Themen erörtert Angèle in ihren Liedern, wenn da nicht was zum Nachdenken oder Tanzen dabei ist…

Flemme  Ein Lied, das der Faulheit oder eher der Bequemlichkeit der eigenen Anwesenheit gewidmet ist und zeigt, wie wichtig es ist, auch mit sich alleine im Reinen zu sein. Ausgehen ist etwas für Trottel haha.

 Flou Ein Lied über die Unschärfe oder das Verschwimmen von Realitäten, wenn man plötzlich groß rauskommt, der Druck, die ganzen Fake Freunde, die dich für nichts bewundern und wie das eben auch überfordern kann.

Balance ton quoi spricht die sexuelle Belästigung an, die Frauen viel zu oft in ihrem Leben erdulden müssen. Hier sitzt ihre Kritik besonders fest im Sattel zum Beat im Hintergrund. Erneut taucht hier auf als Leitmotiv: Die Reflexion einer Epoche, in der sie sich mit existentiellen Fragen, den Fallen und Symptomen der Oberflächlichkeit auseinandersetzt, insbesondere durch soziale Netzwerke. Aber auch eine persönliche Sichtweise, voller Charakter und Spott durch die sehr gut gelungene Modifikation „Balance ton quoi“ , als Anspielung auf „Balance ton porc“ so viel wie „denunziere dein Agressor“, von denen sie eine direktere und durchsetzungsfähigere Version in Form von Ironie und Spott in Bezug auf bestimmte gesellschaftliche und verächtliche Verhaltensweisen vorschlägt. „Sie reden wie die Tiere“ kann dabei in beide Richtungen als Kritik an der Verrohung unserer Sprache gesehen werden – raffiniert.

Und zuletzt unser SdW Tout oublier. Eine herrlich ironische Auseinandersetzung mit dem Glücksimperativ und unseren Träumen und irgendwie auch eine Inkorporation ihrer Musik: Ein bisschen traurig und gleichzeitig ein bisschen tanzbar.

Danke Mara für die Ohrwürmer!

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