lettre #008 edition: normality

lettre #004 edition: being lazy

lettre #004 edition: being lazy

Written by Jan

September 30, 2020

Willkommen zum Newsletter von kollektiv individualimus!

Welcome to the newsletter of kollektiv individualismus! Please click here for the english version. 

 

Bonjour!

Dies soll ein kleines Plädoyer werden. Ein Bekenntnis zum Faulenzen, eine Ode an die Freude des Zurücklehnens. Hoffentlich sind bei Ihnen jetzt, wo wir über Faulheit sprechen, nicht gleich alle Sicherungen durchgebrannt. Doch erst mal heißen wir Sie herzlich willkommen zu der vierten Ausgabe unseres kleinen Newsletters. Wir hoffen, dass Sie sich hier immer noch wohlfühlen. Sollte das nicht der Fall sein, melden Sie sich bitte umgehend. Abonnentenzufriedenheit nehmen wir sehr ernst. Und nun steigen Sie ein, die Fahrt geht gleich los.

 

Steile These: Wir müssen uns feiern fürs Nichtstun, damit Faulenzen wieder cool wird. Damit wären wir auch gleich beim eigentlichen Problem. Faulenzen ist verpönt, was dazu führt, dass wir es verlernen. Unsere Welt ist auch verdammt gut darin, uns das Faulenzen extrem schwer zu machen. Überall Unruhe, die To-do-Listen sind lang, da bleibt keine Zeit zum Faulenzen. Es ist ein Skill, den wir uns zurückerobern müssen. Wir merken selber, wie schwer uns das fällt. Denn wenn wir verlernt haben überhaupt nichts zu tun, einfach zu träumen oder aus dem Fenster zu starren, dann ist Faulenzen nicht mehr intuitiv. Es geht genau nicht darum, wie man am effektivsten abhängen kann oder in fünf Minuten den Stress einer ganzen Woche weg zu meditieren.

 

 

Vielmehr liegt es doch in der Natur des Nichtstuns, dass man sich mit der eigentlichen Realisation dessen gar nicht befassen soll. Faulenzen hat man gemeistert, wenn man sich keine Gedanken mehr darüber macht. Man faulenzt einfach. Einfach da sein für diesen Moment. Ende.
Moment mal. Sozialschmarotzertum, Hippie-Gutmensch und Leistungsverweigerung? Nö. Wir fragen uns einfach, ob wir die Untätigkeit nicht zu Unrecht verteufeln? Sich einfach mal bedudeln lassen von schöner Musik (dazu haben wir übrigens eine klasse Playlist kreiert), spannend-langweilige Dokus gucken (hier oder hier) oder nur daliegen und langweilen. Produktivität verabschieden, ablegen. Noch eine Idee: Ein ganzes Wochenende mit den Liebsten Karten spielen, einfach so.

Faulenzen funktioniert zum großen Teil außerhalb von bestehenden Normen. Weniger Dinge, weniger Bedürfnisse, weniger Konsum, dafür mehr Natur, mehr Zeit, Konzentration auf das Wesentliche. Ziemlich cool.

Über das Faulenzen nachzudenken kann uns auch helfen, neu darüber zu reflektieren, wie wir arbeiten und gut leben wollen und ultimativ auch darüber, wie wir auf einem Planeten leben sollen, den wir so übernutzen, dass wir eigentlich drei von ihm bräuchten. Das klingt jetzt erst mal nach einer ziemlichen großen Aufgabe für eine so unschuldige und zärtliche Tätigkeit wie das Faulenzen, doch verstehen Sie es eher als einen Türöffner.

Wir sehen aber bereits: Das Faulsein hat eine gewisse politische Brisanz. Faulenzen kann als theoretisch-kritischer Gegenbegriff zu jenem allgegenwärtigen Geist des Marktes werden. Wenn wir fragen, ob wir mehr Faulenzen sollten, dann suchen wir nach Möglichkeiten der (Neu-)Gestaltung des sozialen und politischen Gemeinwesens.

Musik N°1
Glass Animals – Wyrd

Ananas Vibes, Jungle Sounds und musikalische Abhängeinladung. Diese Band begleitet mich schon sehr lange und ist bis heute in meiner hot rotation. Ich kenne nichts, dass so klingt wie Glass Animals. Mystisch und minimalistisch aber voll gespickt mit kleinen Feinheiten, die es zu entdecken gibt. 

Vor kurzem haben sie ein sehr höhrenswertes Album rausgebracht aber ihr bestes Album bleibt weiterhin ihr Erstes: ZABA. Auf dem auch Wyrd zu finden ist.

Schwerpunkt.

Kennen Sie Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“? Nein? Dann lesen Sie bitte diese großartige kurze Erzählung am besten gleich hier vollständig und überspringen Sie die hier folgende gekürzte Version.

„Irgendwo an einer Küste in Westeuropa: Ein ärmlich gekleideter Fischer liegt am Hafen und döst. Ein reicher Tourist kommt vorbei, knipst einige Fotos und fragt mehrmals, ob es dem Fischer gut gehe und weshalb er denn nicht in See steche, um einen guten Fang zu machen. Als der Fischer ihm antwortet, dass er heute schon einen kleinen Fang gemacht habe, rechnet ihm der Tourist vor, was er sich mit noch mehr Beutefängen alles kaufen könne: in einem Jahr einen Schiffsmotor, in zwei Jahren ein zweites Boot, dann einen Kutter, ein großes Kühlhaus samt Räucherei und ein Fischrestaurant – und schließlich eine riesige Marinadenfabrik, mit der er die ganze Welt beliefern könne. Der Fischer bleibt sichtlich unbeeindruckt, was den Touristen umso nervöser macht. Was denn dann passiere, will der Fischer wissen: ‚Dann‘, sagt der Fremde mit stiller Begeisterung, ‚dann könnten Sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen – und auf das herrliche Meer blicken.‘ – ‚Aber das tu ich ja jetzt schon‘, sagt der Fischer, ‚ich sitze beruhigt am Hafen und döse, nur Ihr Klicken hat mich dabei gestört.‘ Tatsächlich zog der solcherlei belehrte Tourist nachdenklich von dannen, denn früher hatte er auch einmal geglaubt, er arbeite, um eines Tages einmal nicht mehr arbeiten zu müssen, und es blieb keine Spur von Mitleid mit dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, nur ein wenig Neid.“      (Zeit Online entnommen)

Faulenzen deluxe Sommer, 2020

In dieser kleinen Erzählung steckt eine große Wahrheit. Zum Glück braucht es nicht viel, nur das Wesentliche. Und: Wir leben nicht, um non-stop zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um dann ein gutes, erfülltes Leben zu führen. Im Übrigen arbeitet wahrscheinlich kein Lebewesen so viel wie der Mensch. Wir sind negativ formuliert Spitzenreiter darin unsere Lebenszeit mit (Erwerbs-)Arbeit zu vernichten. Zugegeben, es gibt auch wirklich erfüllende Arbeit, die Sinn stiftet und Menschen zu Persönlichkeiten macht und ja, es gab schon üblere Zeiten, wo noch mehr gearbeitet wurde (in den 1870er-Jahren 72 Stunden die Woche z. B.).

Wir könnten uns aber ein Vorbild nehmen am Koalabär – das genaue Gegenteil von einem Arbeitstier. Ein Koalabär isst ein paar Eukalyptusblätter am Tag und döst dann einfach. Wenn sie nicht um die 18 Stunden am Tag schlafen können, sterben die Tiere vor Erschöpfung. Jetzt können Sie natürlich zu Recht sagen, dass der Koalabär auch nicht Venedig oder Machu Picchu konstruiert hat – guter Punkt. Aber darum soll es ja gar nicht gehen. Der Koalabär perfektioniert ein Konzept, das von Ökonomen als „Zieleinkommen“ oder auch „Suffizienzwirtschaft“ bezeichnet wird. Suffizient zu wirtschaften bedeutet, die natürlichen Grenzen unseres Planeten zu berücksichtigen und möglichst wenig Ressourcen zu verbrauchen. Und hier müssen wir Menschen noch große Fortschritte machen. Vielleicht tauschen wir schon bald wieder von Profit und Wachstum zum „Zieleinkommen“ zurück, weil wir keine andere Wahl haben.

Musik N°2

Fenster – The Room (Album)

Die Band Fenster ist mir ein kleines Rätsel, das zeigt, wie viel Musik im Leben versteckt ist, die wir nicht mitbekommen, weil sie nicht großartig vermarktet wird. Fenster ist eine Band, die man live sehen sollte und deren Musik man idealerweise am Stück konsumiert, also im ganzen Album. Dazu stehen einem zwei zur Verfügung: The Room und Emocean, beide gelungen, wobei Letzteres eigentlich ein Soundtrack zu einem von der Band selbst produzierten Film ist. Also hören Sie mal rein, ich habe Fenster über ein Konzert im HAU entdeckt und war ziemlich beeindruckt von ihrem coolen Auftritt. Die Bar vorm Konzertsaal wurde an diesem Januartag von den hippesten Leuten Berlins bedrängt (hach, Konzerte!). Es war mehr eine Art Freundeskreistreffen von Menschen, die etwas mehr investieren in Musik als die Charts durchzuhören oder sich mit Spotify Weekly Mixtapes irgendwie durch die Woche zu schaukeln. Natürlich eignet sich die melancholisch-spacige Musik von Fenster super zum Faulenzen. Psych-Pop, Synthesizer-Arpeggios (gebrochene,Akkorde), Funk, R&B-Groove, warme Synthesizer, all das findet man in der verspielten, teils tanzbaren Musik von Fenster. Their sound is a window framing psychedelic, groovy, hypnogogic, playful pop. Kommen Sie in The Room, viel Vergnügen!

Relax statt Rolex.

(Slogan entliehen vom Transform Magazin)

Faulenzen ist Luxus, behandeln wir es auch als solchen! Wir müssen das Faulenzen wieder mehr wertschätzen, sowohl gesellschaftlich als auch ganz einfach für uns selbst. Wir sollten uns öfter davon frei machen, etwas tun zu müssen, und ebenso sollten wir anderen erlauben, sich diese Freiheit auch zu gönnen. Aber wenn das alle täten? Bestehen Sie aufs Faulenzen. Le droit à la paresse. Das ist ein äußerst befriedigendes Gefühl, stellen sie es sich vor wie einen ganz kurzen Urlaub. Freuen Sie sich des Lebens. Die Notwendigkeit von Urlaub scheint uns meist einleuchtend und weitesgehend akzepiert, doch sich von 14 bis 15 Uhr einfach mal hinzulegen erzeugt mindestens mal Stirnrunzeln. Diese Einsicht bringt widerum unsere Stirnfalten zum Vorschein. Das ergibt doch wenig Sinn, von der bewiesenen Notwendigkeit kurzer Pausen mal ganz abgesehen

Es ist doch paradox: Wir streben insgeheim nach Faulheit, aber preisen hemmungslos lautstark die Arbeit.

Fragen Sie doch mal Ihre Freunde, wann sie das letzte mal aktiv gefaulenzt haben, und leisten Sie bei Bedarf Nachhilfe oder Beistand. Faulenzen hilft auch dabei, einen kühlen Kopf zu bewahren, überhitze Gemüter zu beruhigen oder über Dinge noch mal ein zweites Mal nachzudenken. Es ermöglicht, überhaupt erst mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Es hilft, den manchmal nötigen Abstand zum Affekt zu bekommen. Nach einer kurzen Runde im Park sehen die Dinge schon oft ganz anders aus, mit ein bisschen Glück hat es sich ganz erledigt. Das fördert auch die eigene Lässigkeit. 

Lehnen Sie sich also zurück und legen Sie Ihre Lasten beim Eintreten in diese wundersame Welt ab. Faulenzen ist angesagt! Machen Sie es gut.

Jan & Felix

Disclaimer: Von dauerhaftem Faulsein ist ggf. abzuraten, schon allein aus lebenspraktischen Gründen. Zu viel Langeweile ist schließlich auch nicht so gut, aber das wollen wir an dieser Stelle einfach mal ignorieren.

Musik N°3

Metronomy – The Bay & The Look

Faulenzen hat auch viel damit zu tun, den allgegenwärtigen Drang zur Perfektion abzulegen. Faulenzen kennt keine Maxime, Faulenzen sollte keinem Ideal folgen oder sich bestimmten Konventionen beugen. Es ist eine Sache des persönlichen Gefühls. Faulenzen sollte sich nicht kapern lassen, wie der Mindfullness Trend zeigt, was sehr scharf im britischen Guardian analysiert wird. Das gilt natürlich auch für den gewählten Ort an dem das Faulenzen stattfindet. Paris, London, Tokyo oder Berlin sind spannende, angesagt Orte, an denen coole Kids coole Dinge tun. Doch das sollte uns beim Faulenzen nicht weiter interessieren. Im Gegenteil, der Trubel und der Hype der Stadt kann dem Faulenzen sogar Hürden in den Weg stellen (wir verweisen an dieser Stelle auf unseren Newsletter zum Thema Stadtflucht). Das hat auch Metrononmy verstanden und ein Lied über Torbay geschrieben, einen scheinbar unscheinbaren Ort an der Küste Englands.  

It feels so good
In the bay
   

Auch Soundtechnisch sehr gut zum Faulenzen. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Zum Mit-dem-Kopf-Wippen, herrlich zum Schlendern oder einfach für eine kleine Auszeit zwischendurch. Ganz nebenbei sei noch erwähnt, dass das Album English Riviera auf dem auch The Bay erschienen ist, großartig ist (den Großteil der neueren Album von Metronomy kann man sich jedoch getrost sparen). Eine gute Anspielstation ist zum Beispiel auch The Look.

Faulenzen kann man auch gut in Parks. Helsinki, 2019.

Musik N°4

Kool & The Gang – Rated X, Ruth Brown & Her Rhythmakers – I Don’t Know

 

Zwei Songs, die nichts gemeinsam haben, außer halt ihren mitreißenden Sound, und dass sie beide Teil des Soundtracks von Fatih Akins Soul Kitchen sind – seiner filmischen Hommage an Hamburg, die zur Zeit bei arte zu sehen ist. Kool & The Gang nutzen Sie am besten zum Aufdrehen und Ruth Brown nachdenkliches Stück, um wieder runter zu kommen. Ich habe den Film vor Jahren gesehen, ja er ist ziemlich überdreht, aber eben auch ziemlich cool, was besonders durch die gute Musik getrieben wird. Es geht es um wirklich existenzielle Dinge. Um Trinken, Essen, Feiern, Tanzen, um Heimat, Liebe und Freundschaft. Wenn Sie noch nicht so ganz frei Faulenzen können, sehen Sie diesen Film und lassen Sie sich von der Musik anstecken und den Menschen der Soul Kitchen den Kopf verdrehen.

The end.

Das war unser vierter Newsletter. Diesmal pünktlich im August. Hat es Ihnen gefallen? Wir freuen uns über Feedback, etwaiges Weiterempfehlen und auch über neue Abonnements. Tatsächlich wird sonst niemand von diesem Newsletter erfahren, da wir keine Werbung machen. Es bleibt also nur Ihre Empfehlung. Wie es so schön heißt: Subscribe now. Newsletter haben nachwievor etwas von Spam, Werbung, Nötigung. Leider, denn damit wollen wir rein gar nichts zu tun haben. Die Email zum lettre heißt: newsletter@kollektivindividualismus.de. Und im Internet kann man nach wie vor unsere Website besuchen, abhängen und staunen.

Wir sagen à bientôt und bleiben Sie uns gewogen.

Bildcredits: © Jan Nitschke © Felix Vieg © Felix Vieg © Jan Nitschke


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lettre #008 edition: normality

lettre #003 edition: restlessness

lettre #003 edition: restlessness

Written by Jan & Felix

August 24, 2020

Bonjour!

Here comes issue three of our newsletter – not quite in July anymore. But there you go. We had the idea to write a monthly newsletter about a topic and some music at the beginning of 2020. Was that a good idea? We hesitated about it for a moment when we realized that it was already time deliver emails. But then we reread our last issue and your responses to it and suddenly all doubts were gone. We are very happy about every word and are still curious to hear from you whether you enjoyed it. If you liked it: Please recommend us to others. Costs nothing, but always gives us great pleasure (to have new names on the list).

2020, a really exciting year that has only recently reached the half-time mark and is quite challenging. We are very curious to see what else is coming. In June we asked ourselves how we live, where we live and where we flee to when everything becomes too much for us. You can find our last issue on the topic of city escape here. We also found out, or rather challenged you to „Get out on the streets and do something“, nobody will solve problems if we don’t take action. Is it time for unrest? We think: Yes, if it comes down to it, keep disturbing. Otherwise, in our fast-paced times, the opposite is probably true: calmness is a luxury.

So here comes a good portion of restlessness. Voilà. Good music is of course also included (further down and in the newsletter playlist) and at the end you might find your peace. Whether it’s all inside or listening to it in a warm summer night when everything gets quieter. Please keep the restlessness! Have fun!

Focus.

We live in a world of unrest. And we probably let ourselves be driven and stimulated by this restlessness every day, but we also get nervous. This far seems certain, the rest is not quite clear. What is calm? When the window is closed and the delivery traffic outside is a little quieter? How do you find peace and silence if it is not enough to simply close the window? And why is unrest sometimes much more exciting and sometimes even necessary?

First of all, let us try to circumscribe the term restlessness for ourselves. Restlessness is an ambivalent something. We can gain energy from it, restlessness can drive us to new places, it can help us to try new things and to reinvent ourselves or the world. On the other hand, restlessness is often an unwanted companion, stress comes unasked for and remains stubbornly on our necks. We do not want to judge restlessness categorically. It seems too easy to ascribe a value in the form of good or evil to restlessness. As so often we notice: It’s complicated.

For many, it sometimes seems, a pinch of restlessness is part of life, a certain background noise that seems to make life worth living. Or have many only forgotten what peace is, and that it too can have its justified use? For better or worse, one must learn to mediate between tranquility and its antagonist, restlessness. Finding the right filter to put on our effervescent, roaring and chaotic world. We often notice that we live in a society that rewards the bearing of restlessness and treats the retreat into calm as weakness. We should resist this more often. Just pull the plug once in a while. We have taken this to heart, which is why this newsletter is sent out so late. But first let’s continue with some music.

Music N°1

Since we often write about music, we quickly thought of jazz when we were thinking about restlessness. Is there a genre that in its many facets fits better to the topic of restlessness? I don’t think so. That’s probably one of the reasons why many young people find it difficult to find an approach to jazz. Instead, some find what they are looking for in Robin Schulz or Lady Gaga – that promises security in a restless, volatile world. Nevertheless, we would like to share a little bit of jazz music at this point, starting with a wonderfully restless piece by Jutta Hipp. She studied painting in Germany, but then played jazz during the Second World War, even though jazz was too restless for the Nazis. Later, she fled from the East German occupation zone to Munich, because it was difficult with jazz there as well.

In the West, more jazz had arrived in small basement clubs due to American influence, and so Jutta Hipp played piano, recorded with Hans Koller and finally landed as one of the first women and whites on the big label Blue Note. It was there that the album with Almost Like Being In Love on it, namely Jutta Hipp with Zoot Sims (Blue Note, 1956), was recorded. With it she became an appearance in the Federal Republic of Germany and was probably quite well-known. Part of the restless life of this exciting musician is also her sudden end of her career and the shift back to painting and design. Something became too much for her. She didn’t like the big gigs, suppressed stage fright apparently with alcohol and wrote friends again and again that the real jazz could be only found in small clubs.

I can only agree with this from my Paris time, the atmosphere in a sweaty cellar full of sound and people (unfortunately unthinkable today) is unique. I hope that the numerous clubs in Paris and New York (and elsewhere) will somehow survive this, because jazz still has a particularly hard time. Because it keeps restlessness? Is complicated, like our now? In any case, very fascinating.

To-Do and To-Go.

In our everyday life we constantly write to-do lists. After all, we have a lot to do and that is expected of us. Most likely, the restlessness we experience has only partly to do with the noise of the city, but rather stems from our urge to live the perfect life and, maybe even more important, to communicate this to the outside world. Do we live in a society that prefers those who can tolerate as much unrest as possible? We live in a high-performance society, so there is little time to take a deep breath. We have to do that to-go. Too bad that the coffee To-go in the subway is really big shit. Not only because of the disposable cup, but also because it robs coffee of its culture. „If you don’t have time to be at the place where you serve coffee or drinks or snacks, think about your life.“ The pursuit of the (apparently) practical all too often leads to restlessness. Why is that? Is there no sense in calm? Why don’t we search for the essential more often?

Unser Blick: Ruhiges Meer im Sommer, 2020

Music N°2

No matter what you read about Fiona Apple’s album released earlier this year, it was always euphoric. We can only agree with that and have already voted it the soundtrack of the week. A great restless album, brutal and beautiful. This music fits perfectly to this newsletter, because it carries this nonconformity in itself. No song comes along without a bit of scrubbing or rhythmic breaks. „A strange, exceptional record,“ the Guardian wrote.

We don’t want to try to add anything to the numerous praise hymns here and leave it to you to familiarize yourself with a few hand-picked lyrics.

— Under The Table —
I’d like to buy you a pair of pillow-soled hiking boots
To help you with your climb
Or rather, to help the bodies that you step over, along your route
So they won’t hurt like mine
Kick me under the table all you want
I won’t shut up
 
— Cosmonauts —
You and I will be like a couple of cosmonauts
Except with way more gravity than when we started off
 
— Newspaper —
Oh, I too, used to want him to be proud of me
And then I just wanted him to make amends
I wonder what lies he’s told you about me
To make sure that we’ll never be friends
 
— Fetch the Bolt Cutters —
I grew up in the shoes they told me I could fill
Shoes that were not made for running up that hill
And I need to run up that hill, I need to run up that hill
I will, I will, I will, I will, I will

Meditation.

My health insurance company gives me a meditation app for free for one year and already I am saved from a burn-out. Whatever we observe: For modern city dwellers (including us?) the quest for peace and quiet often ends in a convulsive search for the inner self and for constant balance or occasional escape from the city. Soft voices from our smartphones are meant to motivate us for our morning meditation session. For only 19.99€ per month! All in the name of slowing down. In a largely senseless world of indispensable growth and the necessary more and more, it becomes quite demanding to find peace. Most of the time we have to pay for it.

Newsletter schreiben in der Hitze, 2020

Music N°3

My cousin T keeps posting good music on his Instagram account, or more precisely, he puts on records in his story that he likes. That’s also how I found out about this cool album, which is great for hot summer days. At the beginning of the track there are sounds from loudspeakers of the fictitious spaceship: (in german) „Welcome! We are happy to have you on board. Enjoy your stay and have a relaxing trip.“ A wild odyssey follows, from funky to relaxed, everything is included. T has a great taste in music and I am impressed by the number of records he must have by now. It’s nice that he puts them on for us every now and then.

Fenster zu, Unruhe raus, Berlin, 2020

Peace & Parmegiana.

We can say that we have found peace in the last weeks. Swimming in the Adriatic Sea in the morning or preparing a Parmegiana together (recipe). Try it out! The eggplant is the vegetable of rest, because those who lose patience in preparing it have no chance of success.

The recipe is even easier than the link above. For 4-6 people, roughly peel 4-5 large aubergines (the skin is sometimes very hard) and cut them into slices about 8 mm thick. Dry in the oven at high temperature for about 45 minutes without salt and oil until the slices have a solid browning. In the meantime put on a tomato sauce: Boil down good tomatoes from two cans (we like Mutti) with garlic, pepper salt without all too much stirring to a creamy Sugo. It should not be too watery at the end. Slice the mozzarella (maybe about 3-4) packs, grate the Parmesan (Parmegiano Regiano) and prepare it. Then you still need breadcrumbs. The best breadcrumbs are those that you have made yourself from old white bread. We then put aubergine, sugo, a few leaves of basil, mozzarella, breadcrumbs and parmesan in an oiled dish. The last layer closes with eggplant, breadcrumbs and a little more parmesan. Then put the Parmegiana in the oven at 160 degrees for at least 45 minutes and wait until the ingredients in its core melt into a creamy, spicy unity. Bon appetit!

Sincerely

Felix & Jan

Music N°4

A feedback from the lovely E to our last newsletter was related to Angèle. E wished for even more pop. Of course we can fulfill this wish. At this point we would like to present you another King of Pop: Tom Misch. He was our 30th soundtrack of the week, 2016, back then we wrote with wit: „Good mixes. Mr. Misch we count among the most promising newcomers from the island, which has just left the European community of states“. Had we known how long the Brexit would still be stretched! Tom Misch is a multi-talent and, roughly at the same age as us, can be a composer, guitarist, violinist, singer-songwriter, producer and DJ all in one. Most of the time this goes thoroughly wrong, but in this case you have to certify it: this man can play music. But now he is not alone and not so poppy anymore, sorry. He also plays and produces with many exciting musicians like Loyle Carner or the drummer Yussef Dayes.

After his somewhat overpolished debut album, What Kinda Music brings a glimmer of hope. As a pair, Dayes and Misch bring out the best in each other. Where the debut was almost too clean, What Kinda Music is blended with the depth and darkness of Dayes‘ rhythms, which balances Misch’s pitch-perfect vocals. This is especially true on „Tidal Wave“, where Dayes‘ drum rolls form a counterpoint to Misch’s multi-layered vocals. We know Yussef Dayes from his previous band project Yusseff Kamaal (SdW#178) and also solo (SdW #160) as an exciting drummer. The Independent in England writes about Dayes‘ playing: „Every note seems to be triggered by an electric shock – you never know for sure if he plays drums or the drums are playing him. He works tirelessly and with enormous sensitivity.“ We already wrote about the special experience of listening to whole albums again in the first newsletter, here you have the opportunity again.

La fin.

This was our third newsletter. We hope you enjoyed it. We are happy about feedback, possible recommendation, and also about new subscriptions. In fact, no one else will know about this newsletter because we do not run any ads. So it remains only your recommendation. As the saying goes: Subscribe now. The email to the lettre is newsletter@kollektivindividualismus.de. By the way, you can also check out our website. Nice place to hang out at. As always: Stay tuned.

Bildcredits: © Felix Vieg © Jazzwax  © Felix Vieg © Felix Vieg © Felix Vieg


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