Die Illusion einer heilen Welt

Die Illusion einer heilen Welt

Die Illusion einer heilen Welt
mit Kate Tempest

Sophie Hunger sagt: „Kate Tempest ist eine Mischung aus einer epischen Hohepriesterin und einem rappenden Robin Hood. Sie hat eine Kirche errichtet ohne Gebote, deren Heiliger Geist die Sprache ist. Ihr Name ist ein Beat, ihre Mission ist Liebe, ihre Schüsse treffen alles.“.

Ein Übersetzungsversuch.

Es ist 2016. Europa hat verloren. Amerika hat versagt. London ist verloren. Wir sind Loser, aber wir fordern immer noch Siege. All das sind bedeutungslose Regeln und wir haben nichts von der Geschichte gelernt.

Wir Menschen leben als Untote. Bereits während seiner Lebenszeit stirbt man früher oder später. Benebelt vom Glanz der Straßen. Aber hey, schau, der Verkehr hört nicht auf zu fließen. Ein endloser Strom. Das System ist zu glitschig, um aufzuhören zu funktionieren. Es flutscht einfach zu gut. Das Geschäft läuft und abends spielen Bands in den Bars. Wir können uns ablenken von der Grausamkeit die unser Leben als Produkt ausscheidet. Außerdem gibt’s wieder two for one in den Clubs. Sinnlos scheint das Betrinken. Wir benebeln uns. Putzen uns raus. Lenken uns ab.

Wir haben ordentlich geschrubbt. Arbeit und Stress weggewaschen. Jetzt wollen wir alle etwas Exzess. Besser noch: eine night to remember, it’s gonna be legendary, die bald schon vergessen sein wird. Versunken in der Belanglosigkeit.

All das Blut, dass vergossen wurde für das Wachstum dieser Städte, die Körper die fielen, die Wurzeln, die wir ausgruben. So war das alles möglich. Ich sehe sie heute Nacht; meine beschmutzten Hände.

Verzweifelt. Hilferufe kann ich nicht beantworten, niemand kennt mich. Wir sind alle gleich langweilig. Arbeiten und arbeiten, so, dass wir alles sein können, was wir wollen. Nichts ist unmöglich. Dann tanzen wir die Strapazen ab. Doch selbst die Drogen sind langweilig geworden. Sex ist noch gut, wenn du ihn dann hast.

Ein dauernder Schlaf ist das, wie in Hypnose. Bitte nicht ängstlich sein. Nicht nachfragen. Selbst denken? Nein, einfach weitermachen. Doch wie wache ich dann irgendwann auf?

Ich fühle den Anflug von Aufstand. Doch die Aufstände sind klein und die Systeme sind gigantisch. Der Verkehr fließt weiter und beweist, es gibt hier nichts zu sehen/ändern.

Sorg dich nicht um institutionelle Gewalt, strukturierte Boshaftigkeit, privatisierte Absurdität, grenzenlose Märkte, die Moral ersetzen, medizinische Beruhigungsmittel für Kinder. Sorg dich um die Terroristen. Das ist gefährlich.

Die Meerespegel steigen, die Tiere, Eisbären, Elefanten sind am Aussterben. Hör auf zu schreien. Fang an zu kaufen. Massaker. Massaker, neue Schuhe. So nehmen wir Gewalt wahr.

Live Porno für deine Prä-adoleszenten Teens. Gläserne Wände, keine Kopffreiheit. Wir haben nichts zu verstecken, weil wir nichts zu sagen haben. Oh aber die Happy Hour auf der Highstreet.

[…]

Kate Tempest heißt eigentlich Kate Calvert und ist 30 Jahre alt. Als Lyrikerin, Musikerin und Schriftstellerin ist sie eine der Stimmen ihrer Generation. Ihr musikalisches Debüt gab sie mit ihrem Album Everybody Down, ihr literearisches mit dem im letzten Sommer veröffentlichten Roman Worauf du dich verlassen kannst.  Im Oktober letzten Jahres erschien ihr Hip-Hop-Album Let Them Eat Chaos.

Das ist nicht einfach gewesen. Ständig hämmert mir der metallene Beat im Ohr. Er lässt an rauchende Schornsteine und ununterbrochene Fließbandarbeit denken. Kate Tempest erhellt, macht ratlos und berauscht. Ich sehe Szenen aus dem Video von Europe Is Lost vor mir. Eine gnadenlose Analyse unserer westlichen Gesellschaften, die wohlstandsverwahrlosen und in Konsum verloren gehen. Es bedarf kein Abspielen der CD oder Aufrufen von YouTube. Der Text fasziniert sofort. Er überzeugt von dem Wahrheitsgehalt der Dichtkunst. Überwältigt mit der Intensität von Text, musikalischer Penetration und den Videobildern, die allesamt echte Aufnahmen sind. Sozusagen das Worst Of.

Esther ist Krankenpflegerin, kommt gerade von der Nachtschicht und arbeitet in einem atemlosen Stream of Consciousness die desolate Lage des Landes durch. Es ist 4.18 Uhr in einer Straße ohne Namen irgendwo in London, und sieben Bewohner dieser Straße können nicht schlafen. Sie heißen Gemma, Esther, Alicia, Pete, Bradley, Zoe und Pious, sie sind Pflegerinnen, Arbeitslose, Agentur-Heinis, und sie werden wachgehalten von Angst, Alkohol, Überarbeitung. Es geht von London aus schnell und straight on zu den existenziellen Fragen.

Es geht um Nationalismus, die Angst vor Terror, den immer größer werdenden Einfluss von Rechtspopulisten in Europa und die soziale Vereinsamung trotz Facebook und Tinder, die uns Sozialität nur vorgaukeln: Tempest raubt uns Wohlstandsbürgern die Illusion einer heilen Welt.

 

(Auftakt einer kleinen Serie zu Kate Tempest Musik.)

 

Autor

Felix

Gründer | Bayreuth

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Zwischenruf #12 Adana Twins – Feel Music

Zwischenruf #12 Adana Twins – Feel Music

ADANA TWINS - FEEL MUSIC

Zwischenruf #12

Sperrt die Lauscher auf, es gibt wieder ordentlich was auf die Ohren. Die zwei langbärtigen Männer sind aus der internationalen Clubszene nicht mehr wegzudenken und überall tanzten Menschen zu ihren Tracks Strange und Everyday. Wer Sie schonmal Live gesehen hat weiß, wie sehr die beiden abliefern. Besucht Sie mal auf Ihren Adana Twins All Night Long Partys. Neben den zwei perfekt harmonisierenden DJs tanzt ihr mit Komet Bernard zu bester Musik. Also checkt mal wann Sie in eurer Stadt spielen! Bis dahin versüßen wir Euch die Zeit mit ihrem neusten Prachtstück. Mit ihrem Set beim DGTL Festival Amsterdam haben Sie uns damals schon in Ihren Bann gezogen. Heute wollen wir euch das neuste Kunstwerk präsentieren: ihr Set für das Feel Festival am Bergheider See.

Trotz wachsenden Erfolgs und ausgebuchten Terminkalenders sind die Beiden nicht abgehoben, legen auch zu Not alleine auf, falls der Andere gerade mal im Krankenhaus liegt und sind sich nicht zu schade auch mal kleinere Clubs ordentlich einzuheizen. Die Sets haben einiges zu bieten was viele Künstler vermissen lassen. Ihre Diversität erlaubt es ihnen auch bei längeren Sets ihr Publikum perfekt zu unterhalten, die Sets lassen sich sowohl im Club als auch zu Hause gut hören. All das steht den Adana Twins sehr gut und wir freuen uns auf zahlreiche weitere Sets von den beiden Nordlichtern.

© Adana Twins

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Autor

 

rundnico

Nico

Autor | Köln

 

Zwischenruf #11 WOMAN – Fever

Zwischenruf #11 WOMAN – Fever

WOMAN - FEVER

Zwischenruf #11

It’s a fever! Das ist die Musik einer jungen Band aus Köln, die wir bereits einmal als Soundtrack der Woche gefeatured haben. Die Jungs trauen sich nun raus aus dem Proberaum und präsentieren sich im Sommer auf zahlreichen Festivals, wie dem Melt. Sie machen schön gediegenen Pop weichgezeichnet mit einem Quäntchen Erotik und Soul. Dradio Wissen schreibt über WOMAN:

„Atmosphärische Beats, souliger Gesang, geschmeidige Synthies und hier und da ein paar psychedelisch-knarzende Gitarren: Woman aus Köln präsentieren auf ihrer ersten EP einen ganz eigenen, unwiderstehlich coolen Sound. Wer sie sind und wie genau sich dieses Gewitter aus Elektro, Disco, Funk und Soul zusammengebraut hat – darüber hat man bislang wenig erfahren. „Woman is a band from Cologne“, steht ganz nüchtern auf ihrer Facebook-Seite. Den Spagat zwischen früher und heute haben Woman mit “Fever” schon mal souverän gemeistert. Den letzten Schliff hat der Platte der Wiener Produzent Zebo Adam verpasst, der unter anderem auch schon Bilderbuch entdeckt und produziert hat.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass Fever es in den Aftermovie eines schönen Festivals geschafft hat. Obwohl das Video ein bisschen mehr wie Urban Outfitterswerbung aussieht und weniger nach Aftermovie, die Musik ist fein.

Zwischenruf #10 Moderat – Running (Âme Remix)

Zwischenruf #10 Moderat – Running (Âme Remix)

MODERAT- RUNNING (ÂME REMIX)

Zwischenruf #10

Mal wieder Moderat… Gerade einmal ein paar Stunden draußen und schon wird er wie wild durchs Netz gereicht. Der neue Remix von Running und zwar durch niemand geringeren als dem deutschen Duo Âme persönlich. Bereits in diesem April haben sie ihr Album III released, auf dem „Running“ eine der herausstechenden Produktionen war. Nachdem Shed und KiNK nun beide bereits offizielle Remixe präsentiert haben und Tale of Us mit ihrer Version ( kostenloser Download) folgten, präsentiert nun Âme ihre Version. Ein farbenfrohes Kunstwerk und ein elektrisierender Zugang mit „driving drums“ zu der ursprünglichen Produktion.

Weil wir neulich noch über Remixe gesprochen haben, auf dem Melt die Crew Dusche mit Moderat teilen durften und Ame über alles vergöttern, durfte der Release an dieser Stelle natürlich nicht unerwähnt bleiben und bietet einen schönen Start ins Wochenende. Erhältlich ist der Remix über Bandcamp.

P.S. Moderat hat mal verraten, dass sie total auf die Videos der Band GOLF stehen. Wir auch, den passenden SdW gibt es hier.

 

© Moderat

© Moderat

Zwischenruf #8  Nu & Jo Ke – Who Loves The Sun

Zwischenruf #8 Nu & Jo Ke – Who Loves The Sun

NU & JO KE - WHO LOVES THE SUN

Zwischenruf #8

Who Loves The Sun? Wir auf jeden Fall! Nu & Jo Ke liefern 2011 einen schönen Remix ab, der uns im Sommer begleiten kann, wenn das erste Mal die Sonne richtig knallt. Oder wenn bei einem Allnighter die Sonne aufgeht. So haben wir diesen Track kennengelernt, als in Berlin über der Spree die Sonne aufging, die Vorhänge des Clubs zur Seite gezogen wurden und das nimmermüde tanzende Publikum die Sonne genoß.

Genießt die Sonne! Cheers!